Die Schamanenkrankheit – wenn der Ruf der Spirit(s) kommt
Aktualisiert: 23. Apr.

Manche HeilerInnen/SeherInnen kriegen diese Einladung. Meistens merkst du erst später, dass es keine nette Einladung ist, sondern eher ein kräftiger tritt gegen die Schienbeine. Willkommen in der Schamanenkrankheit. Klingt erstmal harmlos, oder? Spoiler: ist sie nicht.
Die Schamanenkrankheit ist kein medizinischer Begriff. Kein Arzt wird sagen: „Ah ja, Schamanenkrankheit, ganz normal, nehmen Sie zwei Aspirin.“ Stattdessen bekommst du körperliche Symptome, die jeder Logik trotzen: Schlaflosigkeit, Fieber, Schmerzen, -scheinbar grundlos. Gleichzeitig dreht dein Kopf durch. Halluzinationen, Visionen, Angst, Panik, Depression, Stimmen – alles gleichzeitig, alles ungefragt. Du sitzt da und denkst: „Bin ich verrückt?" Wenn du Glück hast, triffst du Jemanden, der da schon durch ist und der sagt dir, was los ist und dich durchbegleitet.
In traditionellen Kulturen nennt man das den Spirit Call. Du bist quasi auserwählt, Schamane zu werden – Heiler, Mittler, Seher, jemand, der zwischen der normalen Welt und einer anderen, seltsamen, mystischen Ebene navigiert. Klingt episch. Die Realität? Ein wilder Höllenritt, bei dem alles durcheinandergewirbelt wird, was du jemals über dich selbst wusstest.
Die Symptome haben eine Funktion, sagen Manche. Die körperlichen Beschwerden sollen dich schwächen, damit dein Ego bricht. Die Visionen zeigen deine Ängste, unbewussten Muster und alles, was du bisher ignoriert hast. Die Panik und Depression zwingen dich, innezuhalten, nachzudenken, zu reflektieren. Moderne PsychologInnen würden wahrscheinlich sagen: „existenzielle Krise, transpersonale Erfahrung, Wachstumspotenzial!“ – aber in dem Moment fühlt es sich einfach nach totalem Chaos an.
Traditionell wirst du in dieser Zeit begleitet. Erfahrene Schamanen helfen dir, die Visionen zu deuten, das Chaos zu verstehen, die Energie zu kanalisieren. In unserer westlichen Welt? Viel Glück. Da sitzt du auf deinem Sofa, scrollst durch TikTok, trinkst zu viel Kaffee und fragst dich, ob du gerade einen Burnout, einen epileptischen Anfall oder ein kosmisches Ticket zum Schamanenseminar hast. Es ist alles gleichzeitig.
Die Schamanenkrankheit ist im Grunde eine Initiation. Wer sie überlebt, wird nicht automatisch glücklich oder cool. Aber wer sie übersteht, bekommt Zugang zu Wissen und Einsicht, das sonst nur wenigen vorbehalten ist. Du lernst, dass Leiden, Chaos, Angst und Visionen nicht dein Feind sind – sondern dein Lehrmeister. Manchmal brutal, manchmal subtil, aber immer effektiv.
Ich mag das daran, weil es dir erlaubt, das Chaos zu fühlen, ohne sofort einen Plan haben zu müssen. Du darfst durchdrehen, dich verirren, wütend sein, dich fragen, ob alles Blödsinn ist – und trotzdem ist genau das der Punkt. Transformation passiert nicht bequem, sie passiert mitten im Chaos, während du schwitzt, zitterst oder mitten in der Nacht aufwachst und denkst: „Alles klar, das Leben ist gerade einfach kaputt.“
Stell dir vor, du sitzt im Bett, die Decke über den Kopf gezogen, und plötzlich kommt eine Vision: Farben, Geräusche, Stimmen – alles gleichzeitig. Dein Herz rast, dein Körper schreit. Du denkst: „Okay, Universe, danke, sehr witzig.“ Dann merkst du: Es ist nicht gegen dich gerichtet, es ist für dich. Jede Panik, jede körperliche Reaktion, jede unruhige Nacht ist Teil des Trainings. Die Schamanenkrankheit ist wie ein Bootcamp fürs Leben, nur dass das Boot ständig gegen Strom, Wellen und Wind kämpft – und du mitten drin.
Und ja, ich weiß, das klingt alles sehr esoterisch. Aber es hat etwas Schönes: Du merkst, dass du nicht alles kontrollieren kannst. Dass Leid, Chaos, Angst und Visionen genauso Teil des Lebens sind wie Kaffee am Morgen oder Netflix-Abende. Dass man manchmal einfach durch die Hölle muss, um wirklich zu wachsen.
Das Kuriose: Du kannst die Schamanenkrankheit nicht erzwingen. Du kannst nicht sagen: „Hey, ich hätte gerne eine Portion spirituelle Krise, extra Halluzinationen, bitte schön.“ Sie wählt dich. Meistens, wenn du sie am wenigsten erwartest. Vielleicht im Schlaf, vielleicht beim Joggen, vielleicht nach einem Streit, den du eigentlich schon vergessen hattest. Und dann lässt sie dich auf dem Boden liegen, bis du merkst: „Moment, das ist mein Weg. So chaotisch er auch ist.“
Kurz gesagt: Schlaflose Nächte, Halluzinationen, Panik, Visionen, emotionaler Overload – und am Ende ein bisschen mehr du selbst. Die Schamanenkrankheit ist Chaos, Leiden und Transformation in einem Paket, und wer sie überlebt, kommt stärker raus.
Und wenn du jetzt denkst: „Cool, wo kann ich mich anmelden?“ – tja, das Universum hat keinen Kundenservice. Aber glaub mir: Wer durch diese Phase geht, weiß danach etwas, das man nicht googeln kann. Und manchmal, nur manchmal, macht das alles sogar ein bisschen Spaß.
Ein TED Talk von Phil Borges zu diesem Thema, der auch sehr erhellend ist:
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