Unsere Werte sind im A*** – oder bilde ich mir das nur ein?
Aktualisiert: 23. Apr.
Ich frage mich ernsthaft, was eigentlich gerade los ist.
Wir leben in einer Zeit, in der Menschen zu Tränen gerührt sind, wenn sie ein Video sehen, in dem jemand einfach nur freundlich ist. Wenn jemand einem Fremden hilft. Wenn jemand nett ist.
Aber war das nicht einmal… normal?
Heute gehen genau solche Momente viral: Jemand kauft einem Obdachlosen Essen, hilft einer älteren Person über die Straße oder bezahlt den Einkauf eines Fremden. Millionen Klicks. Tausende Kommentare. „So schön, dass es noch gute Menschen gibt.“
Und genau da frage ich mich: Seit wann ist grundlegende Menschlichkeit etwas Besonderes geworden?
Gleichzeitig beobachten wir etwas anderes: Viele dieser „guten Taten“ werden gefilmt, geschnitten und hochgeladen. Hilfe wird Content. Freundlichkeit wird zur Inszenierung.
Ist das noch echte Hilfsbereitschaft – oder schon Marketing?
Wir leben in einer kapitalistischen Gesellschaft – nennen wir sie ruhig beim Namen, auch wenn wir oft lieber „Marktwirtschaft“ sagen. In diesem System geht es ums Gewinnen. Und wer gilt als größter Gewinner? Der reichste Mensch der Welt.
Ein prominentes Beispiel ist Elon Musk, aber auch Menschen wie Jeff Bezos. Und bevor das falsch verstanden wird: Es geht hier nicht um persönlichen Hass.
Aber es fällt auf, was genau wir bewundern.
Nicht unbedingt, wie jemand mit anderen umgeht.Nicht, wie viel Empathie jemand zeigt. Sondern wie reich jemand ist. Ich mein Elon Musk, will das wir auf dem Mars eine Kolonie aufbauen? REALLY? Das ist seine Vision und das wird gefeiert? Oder eben sein Geld?
„Reich = erfolgreich = Vorbild“
Diese Gleichung scheint kaum noch hinterfragt zu werden.
Parallel dazu wird Empathie immer mehr zur Ausnahme.
Wer freundlich ist, gilt schnell als naiv.Wer mitfühlt, wird belächelt.Und wer sich in Kommentarspalten umschaut, merkt schnell: Zynismus und Hate sind oft lauter als Mitgefühl.
Vielleicht wirkt Freundlichkeit deshalb heute so besonders – weil sie sich selten anfühlt.
Und während wir einzelne gute Taten feiern, passiert im großen Ganzen etwas anderes:
Wir stecken Milliarden in Visionen, die weit in der Zukunft liegen.Zum Beispiel die Idee, irgendwann Menschen auf den Mars zu bringen – ein Ziel von SpaceX.
Gleichzeitig gibt es auf der Erde genug Probleme, die längst da sind:Armut, Klimakrise, soziale Ungleichheit.
Warum fasziniert uns das „Große“, das Spektakuläre, mehr als das, was direkt vor uns liegt?
🔮 Was passiert eigentlich „energetisch“?
Wenn man das Ganze etwas anders betrachtet, wirkt es so, als hätte sich unsere kollektive Aufmerksamkeit verschoben.
Früher war Freundlichkeit Teil des Grundrauschens – sie war da, aber nichts Besonderes.Heute sticht sie heraus.
Nicht, weil es sie plötzlich mehr gibt. Sondern weil sie sich seltener anfühlt.
Wenn wir täglich mit Stress, Konkurrenz, Leistungsdruck und negativen Nachrichten konfrontiert sind, verändert das die Grundstimmung. Misstrauen wird normaler. Distanz wird normaler. Egoismus wird normaler.
Und genau deshalb wirkt ein einfacher Akt von Menschlichkeit plötzlich so stark – wie ein Kontrast, der alles andere kurz überstrahlt.
Man könnte auch sagen:
Unsere Aufmerksamkeit ist stark auf Vergleich ausgerichtet.
Wer hat mehr?
Wer ist erfolgreicher?
Wer gewinnt?
Dieses Denken erzeugt Konkurrenz statt Verbindung.
Und wenn dann jemand einfach hilft, ohne etwas zu erwarten, durchbricht das dieses Muster. Es wirkt ungewohnt – und genau deshalb berührt es uns so sehr.
Ein weiterer Punkt:
Wenn gute Taten gefilmt werden, verändert sich oft auch die Motivation dahinter.
Nicht jede Hilfe ist dann nur Hilfe.Ein Teil davon wird zur Darstellung, zur Außenwirkung, zur Bestätigung.
Das heißt nicht, dass alles unecht ist.Aber etwas verschiebt sich – von Verbindung hin zu Sichtbarkeit.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Veränderung:
Nicht, dass Menschen schlechter geworden sind. Sondern dass sich unsere Aufmerksamkeit und unsere Prioritäten verschoben haben.
Weg von:„Wie gehen wir miteinander um?“
Hin zu:„Wie wirken wir nach außen?“
💭 Schlussgedanke
Vielleicht ist Freundlichkeit nicht seltener geworden.Vielleicht fällt sie einfach mehr auf, weil so vieles andere lauter geworden ist.
Und vielleicht ist genau das das eigentliche Problem.
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